Die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) wird häufig als „Meisterprüfung“ der Jagdgebrauchshunde bezeichnet. Sie ist die umfassendste Prüfung für Vorstehhunde in
Deutschland und soll nachweisen, dass ein Hund für den vielseitigen praktischen Jagdeinsatz vollständig ausgebildet ist.
Ziel der VGP
Die VGP prüft, ob ein Jagdhund zuverlässig in allen wichtigen jagdlichen Einsatzbereichen arbeitet. Im Gegensatz zur Verbandsjugendprüfung (VJP), bei der die natürlichen Anlagen
im Vordergrund stehen, und zur Herbstzuchtprüfung (HZP), die den Ausbildungsstand eines jungen Hundes bewertet, verlangt die VGP einen vollständig ausgebildeten und gehorsamen
Jagdgebrauchshund.
Die Hunde sind meist mindestens 18 Monate alt, ein festes Höchstalter gibt es in der Regel nicht.
Prüfungsfächer
Die Prüfung gliedert sich in mehrere Bereiche.
1. Waldarbeit
Im Wald werden unter anderem geprüft:
- Schweißarbeit auf Schalenwild als Riemenarbeit, gegebenen
falls mit anschließendem Totverbellen oder Totverweisen.
- Bringen von Fuchs über Hindernis
- Fuchsschleppe
- Bringen von Fuchs auf der Schleppe
- Hasen- oder Kaninchenschleppe
- Bringen von Hase oder Kaninchen
- Stöbern
- Buschieren
2. Feldarbeit
Im Feld werden bewertet:
- Nasengebrauch
- Suche
- Vorstehen
- Manieren am Wild und Nachziehen
- Verlorensuchen von Federwild
a 1. Arbeit am geflügelten Huhn (Fasan)
oder
2. Federwildschleppe
b 1. Freies Verlorensuchen und -bringen eines frisch ge-
schossenen Stückes Federwild, dessen Fallen der
Hund nicht eräugte oder
2. Freies Verlorensuchen und -bringen eines ausgelegten
Stückes Federwild
- 6.Bringen von Federwild
3. Wasserarbeit
Zur Wasserarbeit gehören beispielsweise:
- Stöbern ohne Ente im deckungsreichen Gewässer
- Schussfestigkeit
- Verlorensuchen im deckungsreichen Gewässer
- Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer
- Bringen von Ente
4. Gehorsam
Der Hund muss in allen Situationen zuverlässig gehorchen. Dazu gehören:
- Allgemeines Verhalten - Gehorsam
- Verhalten auf dem Stand
- Leinenführigkeit
- Folgen frei bei Fuß
- Ablegen
- Benehmen vor eräugtem Federwild
- Benehmen vor eräugtem Haarnutzwild
- Schussruhe
Worin besteht die Ausbildung?
Die Vorbereitung auf die VGP dauert häufig ein bis zwei Jahre und erfolgt schrittweise.
Grundgehorsam festigen
- Sicherer Rückruf
- Fußarbeit
- Sitz, Platz und Bleib
- Ruhiges Verhalten trotz Wild und Schüssen
Feldarbeit
- Systematische Suche
- Sicheres Vorstehen
- Arbeiten mit dem Wind
- Ruhiges Verhalten beim Hochmachen von Wild
Apportausbildung
Der Hund lernt:
- Wild sauber aufzunehmen
- Feder- und Haarwild korrekt zu apportieren
- Wild ohne Beschädigung zu bringen
- Direkt zum Hundeführer zurückzukehren und sauber auszugeben
Schweißarbeit
Der Hund wird darauf vorbereitet:
- einer mehrere hundert Meter langen künstlichen Schweißfährte konzentriert zu folgen,
- Wundbetten und Haken sicher auszuarbeiten,
- das Stück Wild zuverlässig zu finden.
Wasserarbeit
Hierzu gehören:
- Sicheres Schwimmen
- Stöbern im Schilf
- Finden und Apportieren von Enten
- Ausdauer und Arbeitsfreude im Wasser
Gehorsam unter jagdlichen Bedingungen
Der Hund muss seine Aufgaben auch unter starker Ablenkung sicher erfüllen:
- Schussruhe
- Standruhe
- Kontrolliertes Arbeiten mit Wildkontakt
- Zuverlässiges Folgen der Kommandos
Bedeutung der VGP
Eine bestandene VGP zeigt, dass der Hund ein vollwertiger Jagdgebrauchshund ist und in allen wesentlichen Bereichen der Jagd eingesetzt werden kann. Sie gilt als einer der
wichtigsten Leistungsnachweise für Vorstehhunde und hat für viele Zuchtvereine einen hohen Stellenwert.
Zusammenfassung
Die VGP ist die anspruchsvollste Verbandsprüfung für Jagdhunde. Sie überprüft die vollständige Ausbildung in den Bereichen Waldarbeit, Feldarbeit, Wasserarbeit und
Gehorsam. Die Ausbildung umfasst den systematischen Aufbau aller jagdlichen Fähigkeiten – von der Suche und dem Vorstehen über die Schweißarbeit bis zum zuverlässigen Apport und einem
jederzeit sicheren Gehorsam. Ein erfolgreich abgelegter VGP-Nachweis bestätigt, dass der Hund den vielseitigen Anforderungen der praktischen Jagd gewachsen ist.